2016: Ein Shakespeare - Jahr - sein 400. Todestag jährt sich am 23. April

Vergleich der Portraits von William Shakespeare
Bildquelle: Wikimedia Commons; https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Shakespeare_Portrait_Comparisons_2.JPG; Author: Brice Straford; public domain;

Am 23. April 1616 verstarb einer der wohl meistgelesenen und bekanntesten Dramatiker, Lyriker und Schauspieler, die je auf diesem Raumschiff Erde geboren wurden - William Shakespeare. Sein Todestag jährt sich am 23. April 2016 zum 400. Mal. Dementsprechend wird dieses Jahr auch zelebrieret.

Wer war er wirklich - da sich so viele Geheimnisse um ihn ranken? Angeblich wurde er wirklich am 23. April 1616 in  Stratford-upon-Avon als Sohn eines Handschuhmachers geboren. Hier lebte er die ersten 23 Jahre, wahrscheinlich auch mit seiner Frau Ann Hathaway und hier kamen vielleicht seine 3 Kinder zur Welt. Um 1587 übersiedelte er ohne seine Familie nach London. Wenige Jahre später wurden Theaterstücke herausgegeben unter dem Namen William Shakespeare bekannt und geschätzt. Bis 1612 entstanden 37 Stücke wie z.B. Hamlet, Romeo und Julia u.v.a. Der Verfasser schien auch als Schauspieler gearbeitet zu haben. 1599 wurde dieser Mitinhaber des Globe Theatres, schrieb jedes Jahr ca. 2 Dramen für sein Theater, zog sich aber 1612 bis zu seinem Lebensende 1616 nach Stratford zurück und lebte angeblich vom Getreidehandel ohne neue Were zu veröffentlichen.

Eine der großen Fremdenverkehrsattraktionen Großbritanniens ist Shakespeare's Birthplace mit mehr als 1/2 Million Besuchern jedes Jahr. 1969 wurde ein Prozess gegen den verwaltenden Shakespeare Birthplace Trust angestrengt mit der Begründung es gäbe keinen einzigen wirklich stichhaltigen Beweis, wann und wo W. Shakespeare wirklich geboren worden sei und deshalb auch der Trust als kommerzielles Unternehmen kein Geld verlangen dürfe lt. Gesetz. Die Klage wurde abgewiesen, da es sich um eine Stiftung handle und diese dürfe zeigen was sie wolle. Großbritanniens Tourismusindustrie erschuf eine Legende, einen Nationalheiligen der englischen Literatur, vielleicht berühmter noch als die Queen - und damit will sie sich auch nicht so manchen Ungereimtheiten beschäftigen. Es gibt in Stratford keinen Nachweis, dass er irgendeine Ausbildung gehabt hätte - und auch in seinem Testament wird kein einziges Buch erwähnt. Das Leben ähnlich berühmter Schriftsteller seiner Zeit war viel transparenter. Er hinterließ außer Unterschriften nichts Handschriftliches, kein Manuskript, keinen Brief - auch nicht an seine Frau. Keines seiner Stücke liegt handgeschrieben vor. Manche glauben sogar, dass er gar nicht lesen und schreiben konnte, da seine Unterschriften so unterschiedlich gestaltet sind. Folglich glauben viele, dass diesere "Stratford - W. Shakespeare" Werke der Weltliteratur nicht vollbracht haben konnte sondern andere "Tatverdächtige" wie Francis Bacon, Sir Walter Raleigh, Christopher Marlowe, Michaelangelo Florio, der Earl of Oxford,  William Butts, u.a. 63 Personen werden bisher als Sheakespeares Ghostwriter verdächtigt.

Wer auch immer die Werke verfasst hatte musste über eine umfassende klassische Bildung verfügt haben und viele Sprachen beherrscht haben. Er besaß umfassendes Wissen im Militärwesen, Heraldik, Mythologie, Astrologie, Astronomie, Malerei, Musik usw. Vor allem aber war er ein Sprachkünstler - ein Genie, erkennbar am verwendeten Wortschatz, der beim Durchzählen seiner Schriften über 17.000 Worte aufwies, fünfmal so viel, wie ihn heutzutage ein durchschnittlich gebildeter Mensch besitzt. Er brachte 3200 neue Wörter in die englische Sprache ein.

Eine derartige Bildung konnte damals nur ein Adeliger aufweisen, der nach außen hin standesgemäß nicht arbeiten und daher auch nicht öffentlich als Schriftsteller für ein Theater erkennbar sein durfte ohne seinen gesellschaftlichen Rang und seine Ehre zu verlieren. In dieses Bild passte der 1550 geborene Earl of Oxford - Edward de Vere und die "Oxfordianer" glauben, dass der Earl of Oxford den Mann aus Stratford als Strohmann benutzt hatte. Edward de Vere war auch Teilhaber am Globe Theatre und führte eine eigene Schauspieltruppe. Das Beweisstück für diese Theorie der "Oxfordianer" ist eine Bibel aus dem Jahre 1569 mit handschriftlichen Notzen aus dem Besitz des Earls. Ein US-amerikanischer Komparatist verglich die angezeichneten Stellen mit Bibelzitaten in W. Shakespeares Stücken und entdeckte beinahe völlige Übereinstimmung. Allerding hatte auch der Earl nur wenige Manuskripte hinterlassen, sodass die Beweislage unzureichend ist.

Die "Antioxfordianer" hingegen weisen auf Fehler in der Chronologie hin, denn der Earl of Oxford verstarb 1604, doch wesentliche Stücke wie King Lear oder Macbeth entstanden angeblich erst nach seinem Tode. Tatsächlich weiß man aber nur von den wenigsten Werken wann diese tatsächlich geschrieben wurden. Bei einigen kennt man das Erstaufführungsdatum, der anonyme Druck beginnt ab 1595, der Druck unter dem Namen Shakespeare 1598. Dass der Stratford-Shakespeare der wahrhaftige Shakespeare sei baut auf diesen relativ unsicheren Erkenntnissen auf.

Ein weiterer Favorit für die Shakespeare-Rolle ist Christopher Marlowe - erstochen in einer Fehde. Er sei in jener Messerstecherei nur untergetaucht um dann als W. Shakespeare ungehindert weiterschreiben zu können. Auch der Philosoph Francis Bacon ist ein hoher Favorit in der Shakespeare-Rolle, der den Stratforder ebenfalls als Strohmann für seine Schriftstellerkunst benutzt haben könnte.

Das dt. BKA wurde auch beauftragt die wenigen vorhandenen bildlichen Darstellungen (2 Portraits, eine Totenmaske, eine Büste) zu vergleichen und die dortigen Expert_innen kamen zum Ergebnis, dass die dargestellte Person die dargestellte Person ist, nämlich W. Shakespeare. Er sei vermutlich an einem Krebsgeschwür gestorben - erkennbar an einer Schwellung über dem linken Augenlid. 

Und dann gibt es noch die Theorie, dass Shakespeare von Sir Walter Raleigh ermordet wurde, weil Shakespeare ihn angeblich verraten hatte. (vgl. oe1.orf.at). 

Es gibt noch weitere Spekulationen über die Identität und das Leben dieses  Genies, den wir unter dem Namen William Shakespeare kennen - wer er nun wirklich war ist mir persönlich völlig egal - wichtig erscheint mir nur, dass seine genialen Dramen auch in Zukunft ein großes Publikum finden, seien sie nun an die zukünftige Umgebung und Sprache angepasst und aktualisiert oder in ihrer Orignalfassung zu sehen oder zu hören.

Noch 7 Tage lässt sich diese Sendung über OE1.orf.at nachhören. Daach müssen Sie selbst herausfinden wer er nun wirklich war und sich als Oxfordianer, Anti-Stratfordianer, Anti-Oxfordianer, Marlowianer, Baconianer usw. deklarieren.

PS: Auf meiner letzten Flugreise kam ich in den Genuss der neuen Verfilmung von "Macbeth" mit Michael Fassbender (sehr empfehlenswert). So wird es auch noch in 1000 Jahren Menschen geben, deren  maßloser Ehrgeiz in Kombination mit Ruchlosigkeit und Gewaltbereitschaft das Leben ihrer Mitmenschen zur Hölle macht. Weitere verfilmte Shakespeare-Standards, die ich mir immer wieder zu Gemüte führe sind "Looking for Richard" mit Al Pacino (1996), "Romeo and Julia" mit Leonardo DiCaprio und Claire Danes und die entsetzliche Geschichte von "Titus Andronicus" mit Antony Hopkins.

Oft büßt das Gute ein, wer Besseres sucht.

But people often screw things up trying to make them better.

(William Shakespeare, König Lear, 1.4. Albany)

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