250. Geburtstag von Kaiser Franz II/I, dem letzten und ersten Kaiser (12.2.1768)

Abbild von Kaiser Franz I in Uniform sitzend
Bildquelle: HGM Kreutzinger Kaiser Franz I / commons.wikimedia.org/wiki/File:HGM_Kreutzinger_Kaiser_Franz_I.jpg / Joseph Kreutzinger / Public Domain

Es gibt Zeiten, in denen das Herrschen über einen großen Vielvölkerstaat einen Herrscher vor mehr Herausforderungen stellt, als dies zu anderen Zeiten der Fall ist. Jene Zeit, in der Napoleon die Ordnung Europas umstoßen und neu gestalten wollte, war mit Sicherheit eine solche. Zu dieser Zeit herrschte im Habsburgerreich mit Kaiser Franz II, auch bekannt als Kaiser Franz I, der einzige Doppelkaiser der Weltgeschichte und ein Anhänger des Konservativismus.

 

Erzherzog Franz Joseph Karl

Am 12.2.1768 wurde Erzherzog Franz Joseph Karl in Florenz geboren und als erstgeborener Enkel von Maria Theresia war er aufgrund der Ehe- und Kinderlosigkeit von Joseph II von Anfang an nach seinem Vater Peter Leopold von Toskana als Nummer 2 in der Thronfolge für eine spätere Regentschaft vorgesehen. Die erforderliche Vorbereitung auf dieses Amt in Italien fiel jedoch nicht zur Zufriedenheit des Kaisers aus, weshalb Joseph II seinen Neffen Karl 1784 zur Ausbildung nach Wien beorderte. Für Joseph II gehörte der junge Franz Jospeh Karl nicht der Toskana sondern der Habsburgermonarchie und war somit entsprechend auszubilden. Und so wurde mit der Ausbildung des späteren Kaisers begonnen, zu der von 1788 bis 1790 auch ein Fronteinsatz im Türkenkrieg gehörte. Der junge Erzherzog bezeichnete sich in dieser Zeit als Kaiserlehrling. Als 1790 Joseph II starb, folgte diesem wie vorgesehen dessen Bruder nach, der fortan als Kaiser Leopold II regierte. Nachdem aber auch Kaiser Leopold II relativ kurz nach Joseph II im Jahr 1792 verstarb, war es nun viel früher als geplant am jungen Franz Joseph Karl, die Geschicke des Habsburgerreiches zu lenken.

Kaiser Franz II

Im Laufe des Jahres 1792 folgten die notwendigen Krönungen und aus dem Erzherzog Franz Joseph Karl wurde Kaiser Franz II, Kaiser des Heiligen Römischen Reichs. Kaum in Amt und Würden erklärte Frankreich dem Habsburgerreich den Krieg und es begann der Erste Koalitionskrieg, der von 1792 bis 1797 dauerte und in dem die Habsburger die Niederlande verloren, aber das Königreich Lombardo-Venetien gewannen. Es folgten der Zweite Koalitionskrieg von 1799 bis 1801 und dann noch der Dritte Koalitionskrieg vom Jahr 1805, in dem Österreich das Königreich Lombardo-Venetien nebst anderen Gebieten wieder verlor. Innenpolitsch war diese Zeit geprägt vom Versuch die Ideen der Aufklärung zu unterdrücken und am konservativen Gedankengut festzuhalten. Als sich Napoleon I 1804 selbst zum erblichen Kaiser Fankreichs ausrief, setzte auch Franz II den gleichen Schritt und nahm am 11.8.1804 den Titel Kaiser von Österreich an, was ihn zu Kaiser Franz I machte, und zugleich das Kaisertum Österreich begründete. 1806 legte er dann die Kaiserwürde des Heiligen Römischen Reiches, die ohnehin kaum mehr Bedeutung hatte, nieder. Dies geschah auch vor dem Hintergrund, dass nach Änderungen der Wahlbestimmungen ohnehin nicht mehr gesichert war, dass der nächste Kaiser des Heiligen Römischen Reiches wieder ein Habsburger wäre und vor allem sollte verhindert werden, dass bei einer etwaigen Wahl von Napoleon durch die Kurfürsten der österreichische Herrscher dann ein Vasall von Napoleon wäre. Von 1804 bis 1806 war Kaiser Franz II/I somit Dopplekaiser und zwar der (bisher) einzige der Geschichte. Er war der letzte Kaiser des heiligen Römischen Reiches und der erste Kaiser von Österreich.

Kaiser Franz I

Nach erfolgter Abdankung als Kaiser des Heiligen Römischen Reichs, ging es außenpolitisch gleich weiter. Soll heißen: Da Österreich nach dem Dritten Koalitionskrieg aus den Auseinandersetzungen mit Frankreich mit großen Gebietsverlusten (Venetien, Dalmatien, Istrien, Tirol und Vorarlberg) ausgeschieden war und somit den Vierten Koalitionskrieg ausließ, war das Habsburgerreich beim Fünften Koalitionskrieg von 1809 wieder mit dabei. Gedacht als deutscher Befreiungskrieg (man denke hier etwa an den Tiroler Auftstand unter Andreas Hofer) brachte der Koalitionskrieg zwar den ersten Sieg in einer Schlacht gegen Napoleon (Schlacht von Aspern), er endete aber dennoch mit einer Niederlage Österreichs und weiteren Gebietsverlusten (Salzburg, Teile Oberösterreichs, Görz, Triest, Krain, Teile Kärntens und Westgalizien). Da Österreich in den darauffolgenden Jahren jedoch immer wieder bei Schlachten gegen Napoeleon dabei war, die gewonnen wurden, sah man sich am Ende doch auf der Seite der Sieger und konnte den Friedenskongress in Wien abhalten. Im Wiener Kongress von 1814/15 wurde dann der Kontinent neu geordnet und die Heilige Allianz zur Bewahrung der göttlich gewollten monarchischen Ordnung ins Leben gerufen - mit Österreich an der Spitze. In dieser Zeit trat vor allem Klemens Wenzel Lothar von Metternich immer mehr ins Rampenlicht. Er wurde zum wichtigsten Berater des Kaisers und zog geschickt im Hintergrund die Fäden. Im Wiener Kongress konnten die Gebietsverluste der Habsburger bis auf die Niederlande und Westgalizien wieder rückgängig gemacht werden, wofür Salzburg, Venetien, Dalmatien und die Lombardei neu und dauerhaft ins Habsburgerreich eingegliedert und die Habsburger Nebenlinien wieder in Modena und der Toskana eingesetzt wurden. Innenpolitisch errichtete Metternich einen Polizeistaat, Überwachung und Zensur waren an der Tagesordnung. Der politischen Starrheit standen eine durch die Industrialisierung, die nun auch die Habsburgermonarchie erfasste, aufstrebende Wirtschaft und ein reges Kulturleben (Biedermeier) gegenüber, wenngleich der überall zu Tage tretende Konservativismus auch hier immer wieder bremsend wirkte. Dieser Konservativismus zeigte sich auch, als Franz I am 2.3.1835 in Wien verstarb. Denn die Nachfolge trat wie von jeher vorgesehen sein ältester Sohn Ferdinand I an, obgleich dessen Regierungsunfähigkeit offensichtlich war. So errichtete man lieber eine vierköpfige Geheime Staatskonferenz, die ihn bei seinen Entscheidungen beraten oder vertreten sollte, anstatt die Thronfolge neu zu regeln und einen geeigneteren Thronfolger zu ernennen.

Fazit

Erzherzog Franz, der spätere Kaiser Franz, musste früher als gedacht die Herrschaft übernehmen und das in einer Zeit des politischen Umbruchs. Die Auswirkungen der Französischen Revolution und der Siegeszug von Napoleon stellten eine große Herausforderung dar, die er letztendlich erfolgreich bewältigen konnte. Die sich anbahnenden gesellschaftlichen und politischen Änderungen konnten aber unter ihm nur noch einmal hinausgeschoben und die alte Ordnung weiterhin für eine gewisse Zeit Aufrecht erhalten werden. Sehr zur Freude von Franz, der in seinen 43 Regierungsjahren gegenüber Neuerungen stets kritisch eingestellt war, dem Prunk und Zeremonien nicht behagten, und der sich als zurückgezogener Monarch gerne mit Botanik und dem Sammeln von Portraits beschäftigte.

 

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HGM Kreutzinger Kaiser Franz I / commons.wikimedia.org/wiki/File:HGM_Kreutzinger_Kaiser_Franz_I.jpg / Joseph Kreutzinger / Public Domain

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