Die Null ist älter als gedacht

Ziffer 0 in blauer Farbe, an deren oberem Ende sich ein Docht mit einer Flamme befindet
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Es ist nicht ungewöhnlich, dass durch neue Entdeckungen oder Forschungsergebnisse Daten korrigiert werden müssen. Vor allem, wenn die betreffenden Zeiten schon lange vergangen sind und aus ihnen nur mehr wenige Quellen erhalten sind, kann das Auffinden oder neue Datieren einer Quelle ein Neuschreiben der Geschichte erfordern. Oft ändern sich nur Kleinigkeiten, manchmal jedoch erscheinen Entwicklungen, die wesentlich für die Geschichte der Menschheit sind, unter einem ganz anderen Licht. So könnte dies auch bei der Zahl 0 sein.

 

 

 

Die Bedeutung der Zahl Null

Die Zahl 0 hat in der Mathematik einen durchaus hohen Stellenwert. Um nur zwei Beispiele zu nennen: Sie ist jene Zahl, die man erhält, wenn man eine beliebige Zahl von sich selbst subtrahiert und sie ist auch jene Zahl, die weder positiv noch negativ ist.

Vom Platzhalter zur eigenständigen Zahl

Gerade die oben beschriebene erste Eigenschaft war speziell für die Lagerhaltung von Bedeutung. So ist es auch nicht verwunderlich, dass bereits einige frühe Kulturen Platzhalter bzw. Symbole eingeführt haben, um etwa einen leeren Lagerstand angeben zu können, wie etwa die Babylonier oder die Maya, während Griechen und Römer ohne einen solchen Platzhalter auskamen. Diese dienten aber wirklich nur als Platzhalter und hatten optisch noch wenig mit der heute bekannten 0 gemeinsam. Als älteste Darstellung der 0 galt bisher eine Darstellung in einem im Jahr 876 erbauten Tempel in Gwalior. Doch dies dürfte sich nun ändern.

Das Bakhshali-Manuskript

Im sogenannten Bakhshali-Manuskript befindet sich ein Punkt, der als Platzhalter für die Zahl 0 gedeutet wird. Genauer gesagt diente er dazu um entsprechende Größenordnungen anzugeben (10er, 100er, etc.). Das Manuskript wurde bereits 1881 im Dorf Bakhshali (heute in Pakistan) gefunden und befindet sich seit 1902 im Besitz der Bodleian-Bibliothek in Oxford. Es handelt sich dabei um ein 70 seitiges Manuskript auf Birkenrinde, in dem verschiedene Autoren mathematische Regeln erklären und das bisher schwer zu datieren war. Die bisher beste Schätzung des Alters stammte von Dr. Hayashi Takao und basierte auf dem Inhalt des Textes und dem Schriftstil. Dr. Takao datierte das Manuskript auf eine Zeit zwischen dem 8. und dem 12. Jahrhundert. Doch eine Radiokarbondatierung hat jetzt neue Erkenntnisse gebracht. So stellte sich heraus, dass die Datierung wohl auch deshalb so schwierig war, weil die einzelnen Birkenrinden aus unterschiedlichen Zeiten stammen, wobei jene, auf der sich die Punkte (also die 0en) befinden, aus einer Zeit zwischen dem 2. und dem 4. Jahrhundert stammt. Damit wäre dieses Manuskript deutlich älter als bisher angenommen und in ihm die (bisher) älteste Darstellung der 0 zu finden.

Ungelöste Fragen und Kritik

Auch wenn das Alter des Manuskripts jetzt geklärt sein dürfte, weiß man immer noch nichts über die Verfasser der einzelnen Schriften. Des Weiteren werfen Kritiker_innen ein, wäre mit dem Manuskript zwar das Datum für das erstmalige Auftreten der 0 als eigenständige Zahl vorverlegt, aber noch nicht die Verwendung derselben in einer praxisnahen Anwendung nachgewiesen. Diese Fragen zu beantworten und die Lücken zu schließen wird aber auf Grund der schlechten Quellenlage sehr schwer sein. Vielleicht schlummert aber in noch irgendeiner anderen Bibliothek ein Werk, dessen mögliche Bedeutung bisher nicht bekannt ist und das in dieser Hinsicht weiterhelfen kann.

 

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