Dienstrecht neu? Bashing old!

Trommeln
Bildquelle: bilder.tibs.at / Clemens Löcker

"Kaum hat das neue Schuljahr so richtig begonnen, kommt auch die Lehrer-Debatte wieder in Schwung: Österreichs Lehrer unterrichten zu wenig, nutzen die Ferienzeit nicht für Fortbildung, und verdienen dafür im internationalen Vergleich prächtig. Die Vorwürfe sind vielfältig und werden auch vom jüngsten OECD-Bericht untermauert:

Demnach verbringen Österreichs Lehrende deutlich weniger Zeit mit ihren Schülern als andere, verdienen dafür aber deutlich mehr. Erstmals zeigt sich auch die Lehrergewerkschaft bereit, über mehr Unterrichtszeit zu verhandeln - sie stellt dafür aber harte Bedingungen. " (Quelle: www.orf.at)

Super Schlagzeile - wir sind einfach faul und stellen dann auch noch Bedingungen. Ich frage mich nach solchen Aussagen und Berichten, von welchem Planeten das jeweilige Medium berichtet, wo es recherchiert hat. Die Auswahl der Gesprächsteilnehmer spricht dann auch noch für sich, denn wenn unsere oberste "Chefin" gleichzeitig unsere "beste" Verteidigerin ist, dann stimmt irgendwie etwas nicht. "There's something fishy about it."

Draufhauen ist allemal einfacher als wirklich recherchieren. Da wird ein OECD- Bericht veröffentlicht und wir werden darüber alle kahlgeschoren. Was lernen wir daraus? Die Welt ist ungerecht. Tatsächlich? Da wäre ich nie von selbst daraufgekommen. So eine Schweinerei. Aus meiner Maturaklasse sind bereits 5 Jungs in ihrer  Pension (Ich bin Jahrgang 1954), so eine Schweinerei. Gestern vormittag erwarb ich im Sillpark eine Fleischkäsesemmel um 11 Uhr auf meinem Weg ins TiBS - und ich musste mich hinter 6 Personen anstellen, welche eigentlich alle im Arbeitsprozess zu sein hätten. So eine Schweinerei. Heute hatte ich 2 Stunden zu unterrichten, war bereits um 7:15 in der Schule und verließ sie um 16:30, um anschließend noch für meinen morgigen Informatik-Unterricht alles mögliche über QR-Codes herauszufinden - und jetzt ist es 21:50 und schreibe an diesem Artikel. (Offizieller Stundenplan: 2 Stunden, dann noch 2 Supplierstunden, 2 Stunden Deeskalation in einem Schülerstreit, 3 Stunden Klassenbücher neu anlegen, daneben Gespräche mit KollegInnen über meine neue Klasse, 1 Stunde lang Patchkabel getauscht, ausprobiert und Stock-auf-und-ab-gerannt zum Schulnetzverteilerkasten, weil der Netzzugang nicht funktionierte an einem Klassen-PC, bla-bla-bla).

Ich kann übrigens weder meine Mobile-Phone-Kosten noch meinen Internetzugang steuerlich absetzen, jedenfalls nicht auf einfache Weise, ist halt so - hab mich daran gewöhnt. So eine Schweinerei. Und in Kerala regnet es seit Tagen so stark, dass viele Menschen einfach "ersaufen". Mehr als eine Schweinerei.

Doch mir von irgendeinem neoliberalen Unternehmer vorwerfen zu lassen, dass ich unkontrolliert nichts oder zu wenig für meine Kinder  unternehme, das geht über meine Hutschnur, das ist einfach unverschämt und grenzt an Verleumdung. Dass ein Medium wie der ORF da noch mitspielt ist das Tüpfchen auf dem i, und auch Frau Thurnher hat sich hier nicht von ihrer besten Seite gezeigt, obgleich ich sie ansonst sehr als Moderatorin schätze. Übrigens, ich unternehme auch - denn ich muss meinen Unterricht und die Gestaltung des sozialen Umgangs meiner Kinder "unternehmen".

Aber vermutlich hat das alles auch mit unserem so unbekannten, nicht kolportierten und verschwiegenem neuen Dienstrecht zu tun - denn jede Veränderung muss medial vorbereitet werden - und da passt es halt dazu, dass unsere beste Verteidigerin unsere Bundesministerin war. Mr. Burn-out hatte hier wohl weniger Eindruck gemacht. Und zu Herrn selbsternannten Bildungsexperten Salcher bleibt mir nichts zu kommentieren - er war noch nie in meiner Klasse. Ich lade ihn herzlichst ein, mich eine Woche zu begleiten, von 7:00 morgens bis zum Ende meines Tages, an der ich mich dann zurücklehne und sage "Was soll's, mehr geht heute nicht mehr."

PS: Und meine 8 Wochen Ferien und Abschalten habe ich gebraucht - denn die geben mir die Power für die kommenden Monate, aber diese einfachen neoliberalen Denker denken einfach in kurzen profitablen Kategorien. Dass dies auch für andere Berufsgruppen ebenso wichtig wäre, steht auf einem anderen Blatt.

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