Krisen: Chaos und notwendige Übergänge?

Chaotische Bahnen - Zeichnung von Magola
Bildquelle: Wikimedia.commons/Miroslav Magola

"Krise als Chance" ist der Titel eines erfolgreichen Buches von Kurt Tepperwein. Und tatsächlich ist eine Krise nur auf den ersten Blick eine negativ, automatisch zerstörerisch oder verachtenswert.

Im Gegenteil, mit "Krise" meinen wir häufig nichts anderes als die Unsicherheits- und Übergangsphase zwischen zwei (Lebens)zuständen im Gleichgewicht. Im Alltag mit seinen Routinen, die uns Sicherheit vermitteln und uns tragen, verdrängen wir häufig Gedanken an die Instabilitäten unserer Existenz. Diese scheinbaren Gleichgewichtszustände sind aber nicht stabil, sondern maximal fließend. Ein Mobile, das an der Decke schwebt ist für mich eine schöne Metapher für unser Leben, das eine Balance zwischen verschiedenen Rollen, Anforderungen usw. versucht. Auch größere Systeme bis hin zu ganzen Gesellschaften oder gesellschaftlichen Subsystemen (z.b. Wirtschaft) funktionieren nach diesem Prinzip des Fließgleichgewichts. 

Verändere ich mich im Lauf meines Lebens oder ändert sich meine Umgebung dann ändern sich irgendwann selbstverständlich die Bedingungen dafür, dass mein System (mein Mobile) im Gleichgewicht bleiben kann. Ein Windhauch kann das Werk zum Beispiel zum wilden Schwingen bringen. Das wäre - systemisch gesehen - eine Krise. Technisch gesprochen - ein chaotischer Zustand zwischen zwei Gleichgewichtszuständen, eine Art "Zurück an den Start" für eine Person, eine Familie, eine Organisation, eine Gesellschaft. 

Eine Krise ist so gesehen etwas völlig Natürliches und Notwendiges, da sie einen Übergang bedeutet. Freilich bleibt offen, ob dieser chaotische Zustand der Krise dem jeweiligen betroffenen System eine Weiterentwicklung ermöglicht oder in der Zerstörung endet. 

Wir müssen uns jedenfalls von der Meinung verabschieden, dass das Leben ein "ruhiger, stiller Fluss" sei. Vielmehr scheint es eine Art Seen verbunden durch Wasserfälle und Stromschnellen zu sein, durch Krisen eben, ohne die es kaum Übergänge geben kann. Und als Tipp für die Schule: Jeder Lernprozess ist genau dasselbe, ein Prozess der Verunsicherung, die zunächst Chaos (Unwissen, Unsicherheit, Stillstand) verursacht, bis neue Routinen aufgebaut sind und damit neue Verknüpfungen geschaffen sind. Wir haben gelernt.

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