LehrerInnendienstrecht - Dienststreit? Wer gegen Wen?

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Eigentlich wollte ich heute Abend eine PPT-Präsentation zum Thema Insektenordnungen zusammenstellen für meine 2a, aber da kommen mir immer wieder "Schlägerzeilen" diverser Medien in die Quere wie z.B. jene des Qualitätsmediums "Der Standard".

Was mir als APS-Lehrer im Rundschreiben und den schönen Grafiken der AHS-LehrerInnen-Gewerkschaft fehlt ist die Grafik in der auch dargestellt wird, wie wir APS-ler schon seit Jahren einer höheren Lehrverpflichtung "verpflichtet" sind und warum diese "klitzekleine Ungerechtigkeit" ständig noch über Jahrtausende weitertradiert werden soll. Ach ja - da gilt das Studium als Argumentation und die höhere Lehr- und Wissensqualität. Dies mag ja für LehrerInnen, welche fachlich äußerst qualifiziert nur in Oberstufenklassen unterrichten, Abiturklassen vorzubereiten und deren Arbeiten zu korrigieren haben zutreffen, doch die Verfechter dieser Ideologie scheinen immer wieder darauf zu vergessen unter welchen Bedingungen wir APS-ler Kinder unterrichten.

Hier bei uns an den VS, HS und NMS gibt es keine Empfehlung, die Schule zu wechseln, wenn man "erzieherisch gesehen" nicht entspricht. Wer da ist "bleibt picken". Die Proponenten der Ständegesellschaft vergessen auch, dass der "untere Stand" schon längst seinen Bachelor erworben hat und diverse Nebenausbildungen schon längst so manchen AHS-ler-Ausbildung eingeholt haben - zumindest was den Zeitaufwand und die Auseinandersetzung mit Schule und Kindern betrifft. Ich persönlich begann mit Englisch und Biologie. In meinen 37 Jahren als Landeslehrer kamen dazu: Informatik, Italienisch als abgeschlossene Lehrämter, dazu noch 3 Jahre Physik/Chemie mit Zulassung zur Abschlussprüfung. Doch die Lehramtsprüfung, was war mit der? Ich hatte dermaßen "Sch..." davor, sodass ich nicht angetreten bin. Verantwortlich dafür war ein arroganter Professor aus der AHS, der Spaß daran hatte von 27 LehrgangsteilnehmerInnen nur eine einzige Peron antreten zu lassen. Das Problem - REDOX - Gleichungen. Auf die fuhr der Herr ab. Meine längste normale Vorlesungsprüfung (1 Wochenstunde Vorlesung lt. Curriculum) dauerte exakt 60 Minuten an der grünen Tafel. Danach war ich fertiger als nach meiner mündlichen Matura. Unsere Hauptschüler - sorry - NMS-SchülerInnen - brauchen unbedingt das Wissen über REDOX-Gleichungen. Man muss ja darüber stehen, oder nicht?

Nun denn, ich beschäftigte mich dann noch 2 Jahre mit "Beratungslehrertum" und glitt dennoch ins EDV-Fach ab, weil ich das Netzwerk meiner Schule und das von anderen schaukeln musste mit Windows NT als Neueinsteiger (nicht universitär sondern autodidaktisch, of course - und selbst bezahlt hardwaremäßig, eh klar).

So nebenher versuchte ich mich jahrelang in Türkisch- und Serbo-Kroatisch-Kursen, um meine MigrantInnen-Kinder vielleicht besser verstehen zu können - doch daran scheiterte ich. Jetzt unterrichte ich Geschichte so nebenher.

Wenn es aber nach den AHS-Gewerkschafts-Apologeten geht, ist das alles NICHTS und berechtigt mich als APS-ler keineswegs in ihre Gehaltsstufe aufzusteigen. Und das k..... an. Das dürfte auch einer der Gründe sein, warum in den Stellungsnahmen zum neuen LehrerInnendienstrecht am bmukk so wenige APS-LehrerInnen tatsächlich Stellung bezogen haben. Denn - wie so oft - es geht ums liebe Geld - und sicher nicht um das der APS-ler. Die sind ohnehin  "föderal-ländliche" Willkür gewohnt.

Doch hat sich schon sehr viel geändert - denn ich bin im Team mit einer AHS-LehrerIn - und die ist gut, Sie setzt sich ein, sie hat "Erziehungs- und Unterrichtsenergie". Sie geht mit meinen "Freaks" liebevoll um - und wehrt sich wenn es sein muss und - würde ich erkranken - dann könnte ich ihr ohne Weiteres die Leitung meiner Klasse übergeben. Doch sie darf und soll nicht - und wenn sie die Chance auf eine Gym-Stelle hat, zischt sie ab. Eh klar. Würde ja jeder verstehen (Doch auch das stimmt nicht mehr, denn wir haben eine, der gefällt es bei uns. Soll auch vorkommen!)

Ich würde jedenfalls meiner AHS-PartnerIn vertrauen, auch ohne jene vielen Didaktik-UEs, die ich genossen hatte und sie nicht. Es geht eben um die Person. Da wirken auch keine Tests als Filter so gut wie manche "ExpertInnen" dies einfordern. "Die Besten für unsere Kinder" - so ein Schwachsinn. Dasselbe könnte die ÖBB in Zeiten der sinkenden Passagierzahlen einfordern oder die Ölindustrie zur Zeit, wenn das Öl zur Neige geht,

Bessere Ergebnisse in Schularbeiten erreicht sie jedenfalls auch nicht nur weil sie an der UNI saß und perfekter von Intellektuellen ausgebildet wurde und sicherlich mehr von English Literature versteht als ich. BEOWULF lag mir einfach fern. Das Klientel ändert sich nicht grundsätzlich, nur weil die Person vorne oder "offen mittendrin" sich geändert hat.

Ich verdiene mit derselben Arbeit weniger - und das ärgert mich immer wieder, nicht des Geldes sonders des Prinzips wegen. Aber der wirkliche Ärger ist manchmal bei jungen KollegInnen größer - nämlich jenen, die zur selben Zeit ihren Dienst begonnen haben mit den höheren Ständen - und sich nun dennoch minderwertiger erleben - jedenfalls was ihre Bezahlung angeht, aber nicht ihre Arbeit. So funktioniert das System eben - DIVIDE et IMPERA. Sähe Unfrieden und so bringst du dein Mindestbudget durch.

Vor 3 Jahrzehnten wurden die VolksschullehrerInnen im LandeslehrerInnendienstrecht bezahlungsmäßig angeglichen - was war das für ein Aufstand seitens mancher HS-LehrerInnen. "Die haben nur 2 Jahre an der Pädak verbracht. Wir sind besser und ... es ist ein Wahnsinn, dass diese VS-LehrerInnen nun gleich viel verdienen sollen wie wir." Dasselbe gab es dann nochmals mit den ArbeitslehrerInnen - echt peinlich für viele APS-lerInnen. Und nun geschieht dasselbe, nur umgekehrt. Diesmal wird es sehr peinlich für jene VertreterInnen der universitären Standesgesellschaft, die noch immer nicht begriffen haben, dass eine Gesellschaft nur dann weiterexistieren kann, wenn Konsens und Solidarität wachsen sollten in Zeiten der Krisen und nicht Standesdünkel gebaut auf schnödem Mammon, Geld und Neid.

Noch tragischer erscheint mir, dass im Zuge dieser Diskrepanzen wirkliche Verschlechterungen bzw. leicht abzubauende Ungerechtigkeiten einfach untergehen bzw. nicht beachtet werden - doch es geht um viele Milliarden Staatsbudget im langen Durchrechnungszeitraum. Erhöhung der Lehrverpflichtung, was bedeutet das? Wegnahme der Wertigkeiten in der AHS? Wir sind daran gewöhnt - das war schon immer so, aber was bedeutet das wirklich, wenn du in Deutsch eine Maturaklasse zu betreuen hast? Einbindung von Lernzeiten in einer Nachmittagsbetreuung, aber was läuft ab, wenn du nur FZ hast - musst du dann doppelt so lange in der Schule bleiben? WIe sieht es aus mit der Abgeltung von TurnlehrerInnen die stänfig Veranstaltungen organisieren müssen, sich um Unterbringung und Verpflegung kümmern, einem Lärmpegel von 120 db ausgesetzt sind? Ist das weniger wert als Korrekturarbeiten zuhause? WerklehrerInnen, die dauernd damit beschäftigt sind, möglichst günstig einzukaufen, Beiträge aller Art einzusammeln und dabei auch noch den kreativen Zahn der Zeit zu treffen? Wie wird das abgegolten? Gelten mit GELD, was für ein Hohn.

Ich kann verstehen, wenn versucht wird die Schere über den Kamm zu ziehen. Das ist meine persönliche Meinung. Wir werden alle Federn lassen müssen, auch wenn die HYPO ALPE ADRIA ihre Milliarden zum x-ten mal erhält. Immerhin haben dort viele KärntnerInnen ihre Investitionen getätigt und so mancher "Häuslbauer" seinen/ihren  Kredit liegen. Die HYPO Tirol hatte die TIWAG zur Rettung und die BAWAG ihren Elsner, dem man alles zuschieben konnte. Und überhaupt ist die EU an allem Schuld, nur nicht unsere eigene GIER.

Ich wage zu behaupten, dass NEID und GIER und ANGST unserer Gesellschaft schwerste Sünden sind zur Zeit: Sie sind die wahren Triple A (AAA) der westlichen Gesellschaft (nicht zu vergessen, dass "die Gesellschaft" ohnehin nicht mehr "so" existiert). Haiyan ist jedenfalls schon wieder weg von den "Schlägerzeilen". Dafür ist das "Budgetloch" von 8 Millionen ÖsterreicherInnen - und wer daran Schuld ist - wichtiger. Wir selbst sicher nicht, sondern unsere Entscheidungsträger (selbst wenn wir sie gewählt haben). Ob jene 100 000 neuen Obdachlosen aus Tacloban auch noch nach Ständen unterscheiden, wenn sie Hilfe suchen? Ich glaube nicht, wenn dir das Wasser zum Hals steht.

PS: Den meisten Zeitungen geht der Wille am Gendern immer mehr verloren - auffällig wird es wenn "Lehrerdienstrecht" in den Schlagzeilen steht obgleich mehr als 2/3 weiblicher Natur sind. Peinlich für die SchreiberInnen.

PPS: Die Musterschulen gehen mir überhaupt auf den Keks - wer soll das alles glauben. Eigentlich gehört der Zusatz dazu "Bezahlte Anzeige". Ich strenge mich echt seit Jahrzehnten an, aber diese Art der Werbung würde ich mich einfach nicht trauen. Die Unverfrorenheit der Bildungs-Marketing-Society mag Augen einfangen aber sie wird deswegen nicht glaubwürdiger wirken. 

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