NMS ein Garant für bessere Noten?

Syrup Grades
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Gerade habe ich den Artikel im Standard vom 19. Februar 2013 gelesen. "An den Neuen Mittelschulen (NMS) werden weiter bessere Noten vergeben als an den ehemaligen Hauptschulen, aus denen sie entstanden sind. Das zeigt laut Unterrichtsministerium eine Auswertung der Semesterzeugnisse des ersten NMS-Abschlussjahrgangs an der "zweiten Generation" der Neuen Mittelschulen - das sind jene Standorte, die sich im zweiten Jahr der Modellversuche in NMS umwandelten. Demnach könnten laut Schulnachricht nun 57 Prozent der Schüler in den NMS-Abschlussklassen eine AHS bzw. berufsbildende höhere Schule (BHS) besuchen, beim letzten Hauptschuljahrgang 2011/12 waren es nur 45 Prozent."

Aus der Diktion der gelesen Zeilen erfasse ich - bereits durch die Wortwahl etwas "genervt" - dass Noten als Maßstab von Leistungsbeurteilungen nicht ERWORBEN sondern VERGEBEN werden. Und GEBEN ist manchmal gleichbedeutend mit SCHENKEN - die Vorsilbe VER tut ihr Übriges zur Verstärkung meines Eindrucks. Kann sein dass ich da etwas paranoid geworden bin, aber in Zeiten wie diesen ist ein Quäntchen Paranoia manchmal angesagt.

Kurzum, ich höre daraus,  dass wir LehrerInnen an den von der HS zur NMS umbenannten Schulen (mit oder ohne wirklicher inhaltlicher Umstellung) Noten zum Wohle eines von einer "bösen" politischen Partei verordneten Bildungskonzepts "verschenken", nur um dieses Konzept am Leben zu erhalten. Ich empfinde dies als gemeine Unterstellung, lanciert von Leuten, deren Innerstes noch immer in den Gittern von Klassendenken, wenn nicht gar mittelalterlichem Feudalismus gefangen gehalten wird. Der bloße Gedanke, Kinder der weniger privilegierten Bevölkerungsschichten könnten Zugang in jene Bereiche erhalten, welche bisher den "Eingesessenen" vorbehalten war, treibt ihnen den Angstschweiß auf die Stirne.

Doch ihre Angst ist ohnehin unbegründet, denn - zumindest in städtischen Bereichen - stürmen ohnehin alle ins Gymnasium. Man möge sich nur die Anmeldezahlen von SchülerInnen an den Nachfolgeschulen diverser Gemeinden ansehen. Unsere Gymnasien "schlucken" derzeit alles, was möglich ist, außer es handelt sich um bestimmte MigrantInnengruppen, welche unpassend erscheinen oder Kinder mit verschiedenen Teilleistungsschwächen. Die - ach so abgelehnte Gesamtschule - erscheint häufig an Gymnasien bereits als gelebte Wirklichkeit. Eine 3 in D, M oder Sachunterricht ist jedenfalls kein Hinderungsgrund zur Aufnahme - Geschwister gehen vor - und die Klassen sollen gefüllt werden, LehrerInnen eine Beschäftigung finden, auch klar. Verständlich - aber die NMS-ler VERSCHENKEN NOTEN - wahrscheinlich auf Grund ihrer "geringfügigen" Bildung, da der entsprechende Titel  der höher geachteten Ausbildungsstätte fehlt (DONAU-UNI Krems ist meistens zu wenig, aber noch mehr wie 6 Lehramtsausbildungen, die mir insgesamt 8 Jahre intensivste Beschäftigung beschert haben.)

Doch aussprechen darf man das nicht - der Schein der Elite, der besseren Ausbildungschancen muss gewahrt bleiben. Selbst unsere eigenen LehrerInnen sind oft dieser Meinung.

Aber NMS-Schulen verschenken ihre Noten nicht, das erlebe ich am eigenen Leibe, wenn ich wahrnehme, wie zwischen den neuen Bewertungsstufen GRUNDLEGEND und VERTIEFT Elterngespräche mehrfach geführt und protokolliert werden, und Eltern plötzlich wie am Viehmarkt "kuhhandeln", selbst wenn seit 2 Jahren "übertransparent" geworden ist, in welchem Leistungsstand sich deren Kind zur Zeit befindet.

Es hängt vom Lehrer/LehrerIn ab, sagt uns die HATTIE-Studie. Anscheinend liest diese jedoch kaum jemand, bildungsnahe Schichten jedenfalls ebenso wenig wie bildungsferne. Systeme überschätzen sich in ihrer Bedeutung. Noch ist jeder starke Knochen wieder zu Erde geworden, da mögen noch so viele Mausoleen darüber erbaut worden sein.

PS: Ich glaube immer noch an das Konzept der Gesamtschule im Bereich der Sekundarstufe, weil ich sie selbst jahrelang erlebt habe, mitten in den "konservativsten" Kreisen dieses Landes. Doch davon spricht heute niemand mehr - vergessen ist die IGS.

PPS: Und wenn ich heute einen Viertklasser beurteilen muss und ich erkenne die Chance seines/ihres Fortkommens - nach 4 Jahren muss ich ja irgendwie ein BILD von dieser Person besitzen in meinerm Geist, dann entscheide ich - im Zweifel - für den/die "Angeklagte/n". Urteile und damit auch Gerechtigkeit obliegen noch immer einer Göttin, deren Augen verbunden sind, und zwar nicht nur eines sondern beide!

PPPS: In Innsbruck möge man überhaupt ein sechstes Gymnasium eröffnen, dann können wir die NMS ganz zusperren. Damit ist die Gesamtschule in Innsbruck wirklich zur Wirklichkeit geworden.

 

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