Offenes Lernen III: Rahmenbedingungen

OL
Bildquelle: Reinhold Embacher/Sabrina Schmiderer

Seit Jahren beschäftigt sich Sabrina Schmiderer (Lehramt VS/ASO, Schulbibliothekarin an der NMS 2 Schwaz) mit Formen des Offenen Lernens. In einer Serie von Artikeln nimmt sie in Theorie und Praxis zum Thema Stellung. Artikel mit Praxisbeispielen runden die Serie ab. Lesen Sie in der Folge den dritten Beitrag der Serie:

In diesem Kapitel stelle ich das Offene Lernen an unserer Schule vor. In der dritten Klasse wird nun das dritte Jahr mit dieser Methode gearbeitet. Ich stelle hier die Rahmenbedingungen in der 3a Klasse vor.

Stundenplan
In meiner Klasse findet von Schulbeginn bis zum Jahresende in acht Stunden Offenes Lernen statt. Idealerweise sind es an vier Tagen Doppelstunden in den ersten beiden Unterrichtseinheiten. Das bedeutet, die Kinder kommen am Morgen in die Schule und richten sich ihren Arbeitsplatz sowie das Material bereits vor dem offiziellen Stundenbeginn her und können gleich mit dem Lernen beginnen. In diesen acht Stunden sind je zwei Deutsch-, zwei Mathematik- und zwei Englischstunden sowie zwei Realienfächerstunden eingebettet.

Inhalte
Die Lehrerinnen und Lehrer des jeweiligen Faches bereiten für das Offene Lernen lehrplangemäße Materialien und Aufgaben für das gesamte Schuljahr vor. Die Schülerinnen und Schüler erhalten am Beginn des Jahres einen Überblick über alle zu erledigenden Teilbereiche, den so genannten Lernbereichen, in den jeweiligen Fächern. Die Mindestanforderungen sind klar angegeben. Es gibt in allen Fächern Pflichtlernbereiche und Wahllernbereiche. Alle Pflichtlernbereiche müssen im Laufe des Schuljahres erledigt werden, die Wahllernbereiche je nach Interesse und Zeit.

Protokollhefte
Jede Schülerin und jeder Schüler pflegt von Beginn an ihr / sein persönliches Protokollheft. In diesem Protokollheft klebt auf der ersten Seite eine Semesterübersicht, in der sich die Kinder gleich beim Holen eines Lernfeldes den Abgabetermin des Lernfeldes eintragen. In weiterer Folge plant jede Schülerin und jeder Schüler am Anfang der Woche die gesamte Woche. Es sollten immer zwei Stunden pro Hauptfach und eine Stunde pro Realienfach eingeplant werden, kann sich aber auch einmal verschieben, weil man beispielsweise einen Abgabetermin hat oder die Lernzielkontrolle schnellstmöglich abschließen möchte.

Wochenplanung im Protokollheft
Wochenplanung im Protokollheft

Nach jedem Tag schreiben die Schülerinnen und Schüler dazu, was sie nun an diesem Tag effektiv gearbeitet haben. Am Ende der Woche schreiben alle Kinder eine persönliche Wochenreflexion, ob sie ihre Ziele erreicht haben, was sie verbessern könnten und was gut funktioniert hat. Weiters schreibt jede Woche eine Lehrperson einen persönlichen Kommentar zum Wochenprotokoll beziehungsweise zur Arbeitshaltung des Kindes. Hier finden Lob, Anerkennung sowie Verbesserungsvorschläge seinen Platz. Zu guter Letzt unterschreiben beziehungsweise antworten die Schülerinnen und Schüler auf den Kommentar, wenn der Lehrperson etwas nicht klar war.

LehrerInnenteam
Da wir in der Sekundarstufe sind, müssen natürlich viele Lehrerinnen und Lehrer zusammenarbeiten, damit das Offene Lernen in dieser Form funktionieren kann. Das bedeutet, die Lehrerinnen und Lehrer des jeweiligen Faches stellen Materialien in differenzierter Form für das ganze Schuljahr zur Verfügung. Regelmäßige Klassenteambesprechungen sind für das erfolgreiche Arbeiten von großer Bedeutung. Jeder Lehrer / jede Lehrerin gibt die Lernbereiche sowie Lernzielkontrollen für alle Fächer aus, Kontrollieren und Benoten liegt jedoch im Aufgabenbereich des jeweiligen Fachlehrers.

Regeln
Alle Regeln für das Offene Lernen sind in Plakatform in der Klasse festgehalten. Hier eine Auflistung unserer Klassenregeln:

  • Flüsterton für Schüler und Lehrer
  • Verwarnungen:

Schild für „Schweigen“ bedeutet: ohne zu reden weiterarbeiten

Schild für „Sitzenbleiben“ bedeutet: auf seinem Platz weiterarbeiten

Gelbe Karte: für alle, die sich nicht an die „Verwarnung“ halten

  • Musik:

leise zusammenräumen, verwendete Folien sauber löschen, Materialien u. Mappen in die Regale zurückstellen

  • Gong:

Alle Schüler und Lehrer müssen innehalten und herausschauen. Gründe: zu unruhig, zu laut, ein Schüler findet etwas nicht, braucht etwas, will alle etwas fragen, aufsagen, vorführen ...

  • Tafel:

HILFE: Hier schreiben sich Schüler ein, die Hilfe brauchen.

ABMELDEN: Schüler geht auf die Toilette. 1x in der Doppelstunde, aber nicht in den regulären Pausen. Wenn er zurückkommt, streicht er seinen Namen aus, NICHT löschen.

LERNBEREICH: Schüler fragt um den nächsten Lernbereich.

LZK: Schüler/in möchte eine Lernzielkontrolle machen.

 

Weitere Artikel aus der Reihe:

Offenes Lernen I: Methodische Ebenen

Offenes Lernen II: Prinzipien des Offenen Unterrichts

Offenes Lernen III: Rahmenbedingungen

Offenes Lernen IV: Ablauf

Offenes Lernen V: Am Beispiel eines Lernfeldes

Text: Sabrina Schmiderer

Bildquelle: 
Reinhold Embacher/Sabrina Schmiderer

Suchen