Reaganomics

Laffer-Kurve
Bildquelle: Wikimedia Commons; http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Laffer_curve.png? Urheber: Este, 18.11.2014

"An einem Abend im Herbst 1974 sassen vier Herren im Restaurant Two Continents in Washington D.C. zu Tische: der damals in Chicago Ökonomie lehrende Arthur B. Laffer, Donald Rumsfeld, Stabschef von Präsident Gerald Ford, sein Stellvertreter Dick Cheney sowie Jude Wanniski, Redakteur des «Wall Street Journal». Diskutiert wurden Fragen der Steuerpolitik, so auch der Zusammenhang zwischen Steuerhöhe und Steuerertrag. Im Verlauf des Abends kritzelte Laffer eine Kurve auf seine Serviette. Sie sollte später als Laffer-Kurve zur Basis der Reaganomics werden und in die Wirtschaftsgeschichte eingehen.

Der Grundgedanke von Laffer ist denkbar einfach: Bei einem Steuersatz von null beträgt der Steuerertrag ebenfalls null. Das gilt auch für einen Steuersatz von 100% – niemand wird bereit sein, zu diesem Satz zu arbeiten. Zu Sätzen dazwischen allerdings generieren öffentliche Gemeinwesen Steuerertrag. Also ist es logisch zwingend, dass die Kurve zwischen den Extremen einen Wendepunkt bzw. ein Maximum haben muss. Ab diesem Punkt beginnt der Steuerertrag zu sinken, auch wenn der Steuersatz weiter erhöht wird. Oder umgekehrt: Sinkende Steuersätze führen jenseits davon zu steigendem Ertrag. ...

...Die Laffer-Kurve stellt einen Zusammenhang her zwischen Steuersatz und Steueraufkommen. Sie besagt, dass der Steuerertrag ab einer optimalen Satzhöhe zu sinken beginnt. Laffer selbst bezeichnete diesen Bereich als den prohibitiven Bereich. Dahinter steht der Gedanke, dass die Steuer ab einer bestimmten Höhe umgangen wird, sei es etwa durch Schwarzarbeit, Hinterziehung oder Steuerflucht. Umgekehrt heisst das auch, dass Steuersenkungen das Steueraufkommen steigern können. Diese Aussage hat unter Ökonomen wie auch Politikern zu Kontroversen geführt. Es wurde insbesondere geltend gemacht, es lasse sich nie genau sagen, auf welcher Seite des Wendepunkts mit dem maximalen Steueraufkommen man sich befinde. Obwohl diese Kritik zutrifft, wurde die Laffer-Kurve zur Basis der Reaganomics und der angebotsorientierten Ökonomie." (Quelle: http://www.fuw.ch/article/die-laffer-kurve/; 18.11.2014)

"...Das Erbe dieses radikalen Vorstoßes ist gemischt. Die Steuern waren vorher eindeutig zu hoch, sie beschränkten das Wachstum. Reagans Befreiungsschlag ließ die amerikanische Wirtschaft boomen und 16 Millionen Arbeitsplätze entstehen. In Wahrheit war dies aber gerade kein staatsferner Kurs, sondern eine expansive Fiskalpolitik wie bei Keynes, nur in anderem Gewand. Reagan betrieb massives deficit spending, Steuersenkungen und Rüstungskäufe rissen Etatlücken groß wie der Grand Canyon.

Parteifreund George Bush der Ältere, der Reagans Ideen vor dessen Wahlsieg als "Voodoo-Economics" verdammt hatte, musste als Präsident genauso aufräumen wie später der Demokrat Bill Clinton. Zehn Jahre kämpfte Amerika mit den Schuldenbergen.

Die "Reaganomics" waren erfolgreich, aber wegen ihrer Übertriebenheit nur kurzfristig - der Preis kam später. Die Ideologie von den selbstfinanzierenden Steuersenkungen fraß sich trotzdem fest. George Bush der Jüngere ließ die Politik ab 2000 wieder auferstehen, mit ähnlich desaströsen Folgen fürs Budget.

Heute lässt sich sagen, dass eine Regierung ihre Bürger nicht mit Steuersätzen über 50 Prozent quälen soll, aber Niedrigsteuern für Reiche kein nachhaltiges Programm sind. Doch in Amerika hat sich die Ideologie etabliert, dass Steuersenkungen auf Pump alles lösen - vereint mit einer riskanten Geldpolitik der US-Notenbank. Diese Kombination destabilisiert die größte Wirtschaftsnation und den Rest der Welt..." (Quelle: Sueddeutsche, 18.11.2014)
 

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