SATIDA - drohende Hungersnöte per App schneller erkennen

Ausgetrockneter Boden mit entsprechenden Rissen
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Umfragen bzw. Befragungen kennt man oft im Zusammenhang mit Wahlprognosen oder Marktanteilen beim Fernsehen oder dergleichen, wobei die Zuverlässigkeit zum Teil sehr variiert. Befragungen können aber natürlich auch in anderen Bereichen eingesetzt werden wie es sich etwa das Projekt SATIDA als Ziel gesetzt hat.

Die Ausgangslage

Mangelernährung bzw. im Extremfall dann Hungersnöte treten immer wieder in den verschiedensten Teilen der Welt auf und haben oft unterschiedliche Ursachen. Sobald solche Probleme publik werden, treten zwar unterschiedliche Hilfsorganisationen auf den Plan - der Einsatz erfolgt somit aber eben immer nur, wenn ein Notfall bereits eingetreten ist. Besser wäre es natürlich, wenn solche Situationen schon im Vorfeld erkannt werden könnten. Und genau da setzt dieses Projekt an.

Das Projektteam

Das Projekt SATIDA (Satellite Technologies for Improved Drought Risk Assessment) wird geleitet von der Remote Sensing Research Group des GEO (Department of Geodesy and Geoinformation) der TUW (Vienna University of Technology) unter der Leitung von Dipl. Ing. Markus Enenkel MSc. Weitere Partner sind:

Die Idee

Ziel des Projekts ist es, durch das Verknüpfen unterschiedlicher Daten eine Karte zu erstellen, in der für entsprechende Regionen die Gefahr von Mangelernährung oder Hungersnöten ablesbar ist. Zur Erreichung dieses Ziels will man vor allem auf 2 unterschiedliche Daten zurückgreifen und diese dann miteinander vernetzen. Zum Einen wären dies Satellitendaten, anhand derer man Rückschlüsse auf den Wassergehalt des Bodens ziehen kann. In Kombination mit Datenbanken, in denen Daten früherer Zeiten gespeichert sind, kann somit eine Einschätzung darüber getroffen werden, ob der untersuchte Boden austrocknet. Doch nicht immer sind ausgetrocknete Böden die Ursache für Mangelernährung. Böden können sich in einem optimalen Zustand befinden, werden manchmal jedoch einfach nicht bestellt, da es der Bevölkerung durch Konflikte, Abwanderung oder dergleichen nicht möglich ist, dieser Arbeit nachzugehen. Da diese Prozesse nicht von Satelliten gemessen werden können, muss man hier andere Wege beschreiten. Dabei macht man sich die - auch in den ärmeren Gegenden  - weit verbreiteten Smartphones zu Nutze. Das Projektteam hat mit SATIDA COLLECT eine eigene App entwickelt, welche die Sammlung von Daten rund um die Ernährungsmöglichkeiten bzw. die Ernährungssituation ermöglicht. Mittels gezielter Fragestellungen wird die aktuelle Ernährungssituation der Bevölkerung erhoben. Die auf diese Weise gewonnenen Daten werden dabei vorerst am Smartphone gespeichert und erst wenn eine Internetverbindung besteht übermittelt. Die einzelnen Fragen können bei Bedarf an die jeweiligen lokalen Ernährungsgewohnheiten angepasst werden. Die Satellitendaten und die Daten aus den Befragungen sollen letztendlich zusammengeführt und in eine Karte übertragen werden, mit dem Ziel drohende Probleme hinsichtlich der Ernährungssituation frühzeitig zu erkennen und somit gegensteuern zu können.

Der erste Test

Ein erster Feldtest erfolgte im Mai 2015 in der Provinz Kabo in der Zentralafrikanischen Republik. Da die politischen Verhältnisse dieser Region zur Zeit nicht sehr stabil sind, wird das Untersuchungsgebiet nicht genauer angegeben. Die Befragungen wurden von eigens geschultem Personal durchgeführt und umfassten ca. 100 Haushalte mit insgesamt ca. 900 Familienmitgliedern. Nach Auswertung aller Daten, also sowohl der Satellitendaten als auch der aus den Befragungen gewonnenen Daten zeigte sich, dass die Ernährungsprobleme dieser Region nicht auf mangelnden Niederschlag oder austrocknende Böden zurückzuführen sind. Das Problem war vielmehr, dass die Bevölkerung aufgrund der starken Präsenz von Militär Angst davor hatte, die Felder zu bestellen. Ein detaillierterer Bericht über diesen Feldtest ist hier zu finden.

Weitere Anwendungsmöglichkeiten

Diese Methode der Verknüpfung von Daten aus einer direkten Befragung der Bevölkerung mit vorliegenden Messdaten und die anschließende Erstellung von Karten zur Einschätzung von entsprechenden Untersuchungszielen, würde sich auch für weitere Untersuchungen eignen. SATIDA kann sich hier in Zukunft folgende Einsatzmöglichkeiten vorstellen:

  • Evaluierung von Impferfolgen
  • Evaluierung von Wasser-, Sanitäts-, Gesundheits- und Ernährungsverhältnissen in Flüchtlingslagern
  • weitere Anwendungen, die eine schnelle und einfache Digitalisierung erfordern

Fazit

Wenn auf diese Art und Weise der standardisierten schnellen Befragung Situationen rascher und besser eingeschätzt werden können, ist dies mit Sicherheit ein Gewinn. Wie bei allen Befragungen muss allerdings sichergestellt werden, dass einerseits der Umfang der Befragung ausreichend groß ist und sich andererseits die Gruppe der Befragten gleichmäßig aus allen relevanten Untersuchungsgruppen zusammensetzt. Denn sonst sind solche Befragungen nichts Wert.

 

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