Wer macht das Rennen? PH oder UNI? The School of Education - das ANGEBOT

Logos PHT und Universität Innsbruck
Bildquelle: Dieter Draxl

Am Dienstag, den 18. 10. 2011 um 10 Uhr luden Dr. Dr. Tilmann Märk (Rektor der Leopold Franzens Universität Innsbruck), Frau Mag. Dr. Margret Friedrich (Vizerektorin), Mag. Dr. Gregor Weihs (Institut für Experimentalphysik), Dr. Ilse Schrittesser (Institut für LehrerInnenbildung und Schulforschung) und Mag. Klaus Reich (Zentrum für LehrerInnenbildung) im Sitzungsraum des Rektorats der Universität Innsbruck zu einem Informationsgespräch. Eingeladen waren VertreterInnen der lokalen Presselandschaft.

Inhalt der Informationsveranstaltung war die ausführliche Darstellung der bisherigen Leistungen der Universität Innsbruck in der LehrerInnenausbildung, der bereits vorhandenen Kooperation mit der Pädagogischen Hochschule Tirol und der Vorschläge seitens der Universität die "neue LehrerInnenausbildung" betreffend.

Zwischen den Universitäten und den Pädagogischen Hochschulen muss es nach den Vorstellungen des bm:ukk zu einer abgestimmten Neuorganisation der Lehramtsausbildung und damit zu einer Kooperation mit den Pädagogischen Hochschulen kommen.

Eine grundlegende Änderung ergibt sich aus der Tatsache, dass die Universität Innsbruck plant, eine neue pädagogisch-didaktisch orientierte Fakultät zu schaffen, die „School of Education“.

Diese neu zu gründende Fakultät soll im Laufe der kommenden Jahre in Kooperation mit bereits vorhandenen Pädagogischen Hochschulen alle Agenden der LehrerInnenausbildung übernehmen, also sowohl die Vermittlung der Fachdidaktik, ebenso wie Fachwissen und Forschung in Lehre und Didaktik. Im Endausbau ist auch die Übernahme der Lehre der frühkindlichen Pädagogik, sprich akademischen KindergärtnerInnenausbildung, eingeplant.

Diese Fakultät wird geführt werden von einem DEKANAT und einem Fakultätsrat, in den Institutionen wie der Landesschulrat eingebunden sein werden, die wiederum für die Organisation der Schulpraxis wichtig sind. Interessant sind immer wieder die Aussagen des Rektorats, dass Forschung ebenso bedeutsam sei wie Praxis und Fachwissen.

Nur die Universität könne diese Verbindung von Forschung und Lehre bewerkstelligen.

Mit der SCHOOL of EDUCATION soll also die gesamte LehrerInnenausbildung in Absprache mit der Pädagogischen Hochschule Tirol und dem Landesschulrat Tirols an die Universität Innsbruck übergehen, denn nur die Universität kann eine vollwertige akademische Ausbildung inklusive Forschung bis zum Doktorat garantieren. Lt. Vizerektorin Dr. Friedrich sei die Neugründung einer pädagogischen Fakultät innerhalb der bereits vorhandenen universitären Strukturen weitaus kostengünstiger als ein Upgrading der Pädagogischen Hochschulen zu Universitäten.

Für das kommende Jahr wurde bereits eine neue Professur (Fachdidaktik für MINT-Fächer) zum Aufbau der SCHOOL of EDUCATION ausgeschrieben, und zwar im Rahmen des bereits bestehenden Instituts für LehrerInnenbildung und Schulforschung (ILS). Dieses Institut unter der Leitung von Frau Dr. Schrittesser  wird eine der 3 Säulen der SCHOOL of EDUCATION sein.

Alle wichtigen Rechte für akademische Ausbildungen seien bereits vorhanden und müssten nicht nachträglich erworben werden, meint Vizerektorin Dr. Friedrich. Viele der bereits vorhandenen wissenschaftlichen Institute erlaubten Kooperationen, die den Pädagogischen Hochschulen so nicht zur Verfügung stünden.

CAMPUS-Entwürfe von Dr. Michael Schratz gestatten tiefere Kooperationen mit bestehenden PHs, wobei aber der Haupt-CAMPUS an der Universität zu liegen habe (Klarstellung von Dr. Friedrich).

Lt. Dr. Friedrich sind alle Rektoren der österreichischen Universitäten einer Meinung: Fachdidaktik für LehramtsanwärterInnen kann und darf nur an der Universität stattfinden.

Wie steht es um die Umsetzung dieser Pläne? Lt. Rektor Dr. Dr. Märk haben viele wesentliche Gespräche mit den „STAKEHOLDERN“ bereits stattgefunden. Dass die VertreterInnen der PHs nicht sehr erfreut waren, kann man verstehen, aber – so Dr. Dr. Märk – die SCHOOL of EDUCATION sei ein kooperatives Angebot an die PHs - und an die Politik.

Überzeugungsarbeit und vor allem tatsächliche Entscheidungen werden aber noch seitens der Politik geleistet werden bzw. fallen müssen. Österreichweit gibt es noch keine einheitliche Regelung. Anscheinend bevorzugen die Universitäten in Salzburg und Graz eine Form der „School of Education“, Linz und Klagenfurt setzen andere Prioritäten und von Wien wurde nicht gesprochen. Welchen Weg die katholische PH Edith Stein einschlagen wird, ist nicht bekannt.

Dr. Weihs & Dr.Dr. Märk, Universität InnsbruckFolgende Aussagen haben sich mir persönlich besonders eingeprägt und sollten daher aus meinen Erfahrungswerten heraus kommentiert werden:

Dr.Dr. Märk:

"Die zerrissene Ausbildungssituation der LehrerInnen ist zur Zeit nicht befriedigend. Eine Optimierung ist nötig." Dem ist wenig entgegenzuhalten - allerdings wird es bezüglich der Inhalte Differenzierungen geben müssen, denn es ist nun mal ein Unterschied zwischen Physikunterricht in der HTL und Sachunterricht 1. Klasse Volksschule. Das Anforderungsprofil ist ein anderes.

"Es ist an ein Zusammengehen mit der PHT bis zur Zusammenführung gedacht." (Frau Vizerektor Dr. Friedrich hat sogar von Integration gesprochen.)

Dr. Friedrich:

"Alle LehrerInnen müssen einen Bezug zur Wissenschaft haben." "Das Bundesministerium will in Zeiten schwankender Studierenden-Zahlen neue Universitäten gründen - bestehende Unis können das bereits jetzt und viel kostengünstiger."

Mag. Dr. Margret Friedrich, Vizerektor Universität Innsbruck"Es erscheint mit nicht gut, wenn junge Studierende direkt aus der Schule kommend sofort wieder verschult werden - und damit einen einseitigen Bildungsweg durchmachen. In der Studieneingangsphase kann man testen, ob man sich geeignet fühlt, oder an sich als zukünftige/r LehrerIn zu zweifeln beginnt." Ich kann diese Argumentation nachvollziehen, weiß aber aus eigener Erfahrung mit KollegInnen aus der PHT bzw. Pädak, dass diese sehr wohl andere Berufslaufbahnen vor ihrem LehrerInnendasein eingeschlagen hatten - nicht jede/r LehrerIn wandert direkt aus der Maturaklasse in die Volksschule oder NMS bzw. HS. Ich selbst habe 3 Jahre dazu gebraucht, meinen Weg nach der bestandenen Matura in die Pädak zu finden.

"The SCHOOL of EDUCATION ist weniger Risiko für den Staat als das Upgrading der PHs." Kann ich nicht beurteilen - wird wohl eine Frage des Geldes sein.

" Die Entwicklung der neuen Fakultät wird langsam vor sich gehen." Bis alle Widerstände überwunden sind und Konsens zwischen den unterschiedlich angesetzten Institutionen gefunden ist, wird es dauern, davon bin ich überzeugt. Vor allem - es liegen wieder mal Wahlen dazwischen.

"Wenn Sie ein Fach nicht beherrschen, dann werden Sie von den SchülerInnen zerlegt." Es ist richtig, dass man den SchülerInnen fachlich überlegen sein sollte, aber das gilt auch für die menschliche und tolerante Seite, ebenso wie für die empathische, einfühlsame - und hier eine Reihung durchzuführen, würde ich mich schon weniger trauen. Was ist nun wertvoller, Fachwissen oder Einfühlsamkeit? Schön wäre beides. Als HS-Lehrer kann ich nur sagen, dass mein Fachwissen für die Altersstufe 10 bis 14 weniger zählt als meine Klassenführungsqualitäten. Allerdings wird dies nicht für sehr begabte Kinder gelten, denen mein Unterricht zu langweilig wird. Forscher muss ich in der Sekundarstufe jedenfalls nicht sein, auch wenn ich den/die einen oder andere/n damit beeindrucken könnte, doch sollte ich begeistern können, von meinem Tun überzeugt sein und zu motivieren vermögen.

"Es ist vermessen, 18-Jährigen eine Nichteignung für einen Beruf zuzuschreiben. In der STEOP haben diese Zeit, sich zu orientieren."

Dr. Schrittesser (ILS - Universität Innsbruck)Dr. Schrittesser:

"Unterricht ist nicht standardisierbar, auch wenn man derzeit so oft von STANDARDS spricht. Wichtig ist, dass man als LehrerIn handlungsfähig bleibt."   Für mich ein wohltuende Aussage in Zeiten von Big Brother.  

Dr. Weihs:

"Ich sitze an dieser Stelle hier wegen meines Lehrers." "MINT-Fächer sind leider unterbesetzt. Es gilt, das Manko wieder aufzuholen. " Das ist ein gesellschaftliches Phänomen - dafür sind ja so viele plötzlich Betriebswirtschaftler geworden. Da lässt sich mehr Kohle machen, ohne dass man die Welt ganz verstehen muss mit ihren Teildisziplinen Physik, Chemie und Biologie.

"Guter Unterricht kann nur dann stattfinden, wenn man wissenschaftliche Forschung betrieben hat." - Oje, dann habe ich 40 Jahre schlechten Unterricht gemacht, denn ich habe nie wissenschaftliche Forschung betrieben, allerdings habe ich mein eigenes Leben erforscht - und manchmal auch das der anderen, doch sicher nicht unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten. Um ehrlich zu sein, diese Aussage finde ich einfach arrogant bzw. unüberlegt.

"Früher waren es die 'schwachen' Studierenden, die das Lehramt machen wollten. Kann die Uni heute das ändern?" Das war die nächste nicht in jeder Konsequenz ihrer Bedeutung überlegte Aussage, denn damit deutete er an, dass alle heutigen  AHS-LehrerInnen eigentlich allesamt 'schwache Studierende' waren. Diese Aussage ist wohl etwas daneben gegriffen und ich glaube nicht, dass er das so gemeint hat. Und es bleibt zu hinterfragen, was 'starke' Studierende sind? ("brainy" Hulks?)

Was bleibt mir? Ich denke, es handelt sich um einen Kampf um Einflusssphären, der noch nicht entschieden scheint. "Wissenschaftsministerium fights Unterrichtsministerium" oder umgekehrt? ÖVP gegen SPÖ oder umgekehrt?

Es bleibt zu hoffen, dass die guten Anteile beider Institutionen nicht den Einzelinteressen jener geopfert werden, die schon in den Startlöchern stehen, protegiert von den einen, gestützt von den anderen. Ich habe Professoren an meiner alten Pädak erlebt, die ich noch heute verehre, und ebenso welche, die ich auf Grund ihrer Inkompetenz heute noch verachte - dies wird auf (oje - heißt es nicht an?) der Universität nicht anders sein.

Und so wie sich die Gesellschaft die BESTEN der BESTEN für ihrer Kinder wünscht, so wünschen wir uns die BESTEN der BESTEN, welche uns PädagogInnen bilden wollen und sollen. Mit bloßem Wissen und vielen "Scheinen" hat das nicht immer zu tun, doch auch nicht immer mit nettem "Lächeln" und dem angepassten Parteibuch.

PS: Gendern ist anscheinend out, denn wenn man die gängisten Tageszeitungen liest, dann sind alle Lehrer männlich. Und das stimmt wirklich nicht.

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Bildquelle: 
Dieter Draxl

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