Hitchbot - der trampende Roboter

Bildquelle: Profilbild Facebook (https://www.facebook.com/hitchbot/)

Per Anhalter ist ein autonomer Konversationsroboter durch Kanada, die USA, die Niederlande und Deutschland getrampt, um wissenschaftlich zu erforschen, wie Menschen auf Roboter reagieren. Die Technokratie hat sich hierbei von ihrer liebenswertesten Seite präsentiert. Nun hat hitchBOT im Museum Paderborn ein Zuhause gefunden.

2014 startete der Roboter seine über 6000 km lange Reise durch Kanada und wurde dabei in drei Wochen achtzehnmal mitgenommen. Um die Gefahr des Diebstahls so gering wie möglich zu halten, wurde der Roboter aus Alltagsgegenständen und einfachen technischen Komponenten zusammengesetzt: neben Solarzellen, einem Androidtablett und einem Arduino-Board besteht er aus einer Schwimmnudel, aus Kübeln, Gummistiefeln und Putzhandschuhen. Aufgeladen werden konnten seine Akkus mittels Zigarettenanzünder. Die Cleverbottechnologie ermöglichte den Austausch mit den Fahrern und den Fahrerinnen. (Cleverbot ist eine eine stets lernende Technologie, die von den meisten Gesprächsteilnehmern als echt und menschlich wahrgenommen wird.)

Der Hintergrund des von den Kommunikationswissenschaftlern Frauke Zeller und David Harris Smith geleiteten Experiments ist die Erforschung der Interaktion von Mensch und Maschine.  Dass sich nicht nur Menschen vor Maschinen in Acht nehmen müssen, sondern auch umgekehrt eine gewisse Vorsicht walten muss, zeigt die vollständige Zerstörung von hitchBOT auf der Reise durch die USA. Seine Aussagen dazu demonstrieren philosophische Qualität: "Sometimes bad things happen to good robots!" oder "My love for humans will never fade!".

Eine gewisse Vermenschlichung des Roboters kann nicht abgestritten werden: auch ich finde ihn sehr süß und es äußerst gemein, dass er einem Vandalenakt zum Opfer gefallen ist. Auf seiner Facebookseite ist er eine "Person des öffentlichen Lebens" mit über 100 000 Abonnenten. Das soziologische Experiment hat eindrucksvoll bewiesen, dass sich Menschen auf Roboter einlassen können und wollen. Unterstützend wirkt dabei die geringe Größe des hitchBOTs. Außerdem ist er eindeutig als Roboter erkennbar und nicht wie in vielen Science-Fiction-Filmen ein Mensch-Maschine-Hybrid. Der Roboter zeigt überdies eine gewisse liebenswürdige Hilfsbedürftigkeit: er ist davon abhängig, dass Autofahrer stehen bleiben und ihn mitnehmen. Das entspricht allerdings auch einer Umkehrung der Abhängigkeit, denn in der Realität sind meist Menschen von Maschinen und Computern abhängig und nicht umgekehrt.

Kurzum hat hitchBOT in der zunehmenden Automatisierung bzw. Digitalisierung einen mehr als interessanten Beitrag im Zusammenwirken von Mensch und Maschine geleistet. 

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