Klagen Sie Ihre Eltern - Sie haben vielleicht auch Babyfotos von ihnen gemacht und auf Facebook gestellt

Schlafendes Kind im Mutterschoß
Bildquelle: bilder.tibs.at; Dieter Draxl: CC BY NC SA

Irgendwie ein Wahnsinn - zuerst redet man jedem jungen Meschen ein er/sie müsse Mitglied einer jeden Social Media Initiative werden weil er/sie sonst völlig "out" sei, dann jubelt man ihnen immer bessere digitale Kameras am Smartphone unter zu überhöhten Preisen, dann lässt man sie für jeden Multimediainhalt etwas mehr bezahlen, dann - wenn sie etwas älter und vielleicht schon Eltern geworden sind und sich an die mediale Nabelschau so richtig gewohnt haben - ja dann schickt man ihnen möglicherweise ein paar Jahre später den Abmahnanwalt an den Hals und spricht vom Recht am eigenen Bild, das man damals - als das Foto geknipst wurde - noch gar nicht besaß.

Heuchlerischer und bigottischer geht's gar nicht mehr. Besonders skurril wird es dann werden, wenn gealterte Jugendliche, die sich früher selbst in den unmöglichsten Posen "gewebbt" hatten, dann später aus irgendwelchen Geldnöten und mit Familienzwisten konfliktbeladen ihre eigenen Schöpfer_innen klagen werden. 

"„Eltern greifen mit der Veröffentlichung von Fotos in Online-Netzwerken in die höchstpersönlichen Rechte ihrer Kinder  ein“, sagt der Anwalt Lukas Feiler von der Wiener Kanzlei Baker & McKenzie. Klagen sind laut Feiler auch in Österreich denkbar.  Kinder könnten etwa, wenn sie älter sind, gegen auf Facebook veröffentlichte Fotos vorgehen. Nach dem Datenschutzrecht droht Eltern dabei eine Verwaltungsstrafe von bis zu 10.000 Euro, möglich sei auch eine Klage wegen der Verletzung von Persönlichkeitsrechten, konkret dem Recht auf das eigene Bild, sagt Feiler:  „Klassische Babyfotos oder Bilder vom ersten Schultag  sind wahrscheinlich kein Problem, Bilder, die bloßstellenden Charakter haben, aber sehr wohl.“ (Quelle: www.futurezone.at; 10.5.2016)

Was ist denn nun bloßstellend? Die Nacktheit eines Babys? Das unreflektierte Grinsen eines Einjährigen der nach Reizen lechzt, die ihm seine Eltern zur Weiterentwicklung seines Selbst anbieten sollten? Ist das schon bloßstellend? Immer eine Interpretationssache, oder nicht? Die Abmahnkanzleien wird es freuen. Vielleicht sollte man eine internationale "Arbeitsgruppe" gründen, die global gesehen "Bloßstellung" definieren kann. 

Ich bin in Facebook und meine Bilder halten sich in Grenzen, doch ich kann verstehen, dass Menschen, die sich auf dieses Kommunikationsmedium eingelassen haben, auch ihren Freunden ihr neues Glück zeigen wollen, manchmal auch unreflektiert und hinterfragbar. Aber daraus Geldstrafen abzuleiten in dieser Höhe und im selben Augenblick Großkonzerne steuerfrei ausgehen zu lassen nur weil sie Investitionen versprochen - noch nicht einmal gehalten - haben, dass entzieht sich meinem persönlichen Rechtsverständnis. 

Andere Probleme haben unsere so hochzivilisierten  Gesellschaften anscheinend wenige. Muss ich jetzt schon Angst vor meinem Atem haben, der jemand beleidigen könnte, weil ich Spearmint-Kaubonbons kaue. Könnte mein Gegenüber im Bus vielleicht eine Spearmint-Allergie zeigen und an meinem Atem ersticken? Hier muss eine Verordnung her.

PS: Frage - habe ich mit dieser Fotografie jemanden bloßgestellt und gar verletzt oder wollte ich möglicherweise andere Werte darstellen, diese Ruhe des Kindes als etwas Schönes empfinden, die sichernde Hand seiner Mutter auf dem Unterschenkel als Vorbild für jene Eltern sehen, die ihre Kinder gar nicht mehr oder nur hart berühren? Ein Fall für den Abmahnanwalt?

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bilder.tibs.at; Dieter Draxl: CC BY NC SA

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