Nachlese: 6. eFuture-Day am 26.04.2018

eFuture-Day 2018Am 26. April 2018 fand am Grillhof in Vill bei Innsbruck der 6. eFuture- Day für die eLearning-Beauftragten Tirols unter dem Motto "Lehren und Lernen mit digitalen Medien" statt.

Der eFuture-Day Tirol ist eine Tagung für Tiroler eLearning-Beauftragte und Schulleiter/innen mit dem Ziel, Lehren und Lernen mit digitalen Medien an den Schulen zu reflektieren und Impulse für einen optimalen Einsatz zu geben.

Auch dieser 6. eFuture-Day war - wie bisher - ein Kooperationsprojekt der Pädagogischen Hochschule Tirol, des Landesschulrats für Tirol, des Tiroler Bildungsservices, des Medienzentrums und des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung und wurde von vielen MitarbeiterInnen dieser Institutionen gemeinsam geplant, vorbereitet und durchgeführt. Zum Organisationsteam gehören Helmut Hammerl, Fachinspektor für IT, Markus Fillafer vom Tiroler Bildungsservice, Michael Kern vom Medienzentrum Tirol, Anita Eller von der Pädagogischen Hochschule Tirol, Andrea Prock, die eLearning-Koordinatorin für die NMS und Michael Feistmantl, ebenfalls eLearning-Koordinator für die NMS und die PHT.

Nach einleitenden Worten, Begrüßungsansprachen und Danksagungen seitens Mag. Helmut Hammerls und Andrea Procks als VertreterInnen des Organisationsteams erläuterte Mag. Martin Bauer als Vertreter des BMBWF die derzeitigen Vorhaben und Initiativen für Österreichs Schulen:


  • Nachdem der TV-Konsum der heutigen Jugend drastisch zurückgeht und durch Streaming von digitalen Medien ersetzt wird, ist eine Begleitung durch die Schule hinsichtlich Datennutzung und Sicherheit unbedingt erforderlich. Heute besitzen in Österreich ca. 97% aller 12-19-Jährigen mindestens ein Smartphone. In Folge müssen die WLAN-Netze an Österreichs Schulen dringend ausgebaut werden – was laut Aussage von BM Heinz Faßmann in den nächsten 5 Jahren flächendeckend erfolgen soll. Auch das Land Tirol fördert den Ausbau in die nötige Infrastruktur mit 150 Millionen Euro.

  • Im Sinne der Digitalisierungsstrategie Schule 4.0 wurde das Projekt "Denken lernen – Probleme lösen (DLPL)" vom Bundesministerium für Bildung (BMB) in Auftrag gegeben. Ziel ist es, die Nutzung von digitalen Medien in der Grundschule didaktisch begründet einzuführen und das informatische Denken zu stärken. 13 Education Innovation Studios (EIS) wurden an 13 Pädagogischen Hochschulen in Österreich etabliert. Ebenso wird das Angebot an Mobile Studios für Volksschulen im Zuge des IMST-Projektes erweitert.

  • Der neu entwickelte Lehrplan für digitale Grundbildung gehört zu den modernsten Curricula Europas.

  • eEducation Austria als Netzwerk für digitale Bildung umfasst bereits 2000 Schulen als Member- bzw. Expert-Schulen.

Martin Bauer

Martin Bauer

Als erster Keynote-Speaker führte Mag. Gerfried Stocker vom ARS Electronica Center aus Linz seine Gedanken zur digitalen Zukunft unter der Überschrift "Bildung für eine arbeitslose Zukunft" aus. Mag. Stocker ist Geschäftsführer und künstlerische Leiter des Ars Electronica Centers, das bereits 1979 gegründet wurde und durch viele Initiativen, Projekte und Veranstaltungen weltweit Anerkennung gefunden hat. Stockers Grundgedanke ist der notwendige Wandel vom "digitalen Konsumenten" zu einem "Creator".

Das AEC versucht seit Jahrzehnten Digitalisierung durch Kunst und Kultur zu fördern.
Wie sehr Digitalisierung die Welt verändert, zeigte Mag. Stocker anhand einiger Daten:

  • 3 Milliarden Menschen sind Teilnehmer an sozialen Netzwerken.
  • 5,2 Milliarden Menschen besitzen ein Handy.
  • 4 Milliarden Menschen nützen das WWW.
  • Pro Stunde werden 36000 Menschen neue Handynutzer.
  • Die größte Internet-Population lebt mit 91,6 Millionen Menschen in Nigeria.
  • Der Einfluss von Dritt- und Schwellenländern und deren Jugend verändert soziale und wirtschaftliche Machtverhältnisse (Bsp.: Große Gruppen von Jugendlichen in Sarajevo oder Belgrad produzieren laufend Fake-News, die - in soziale Netzwerke eingeschleust - meinungsbildend werden.)
  • Die Fort- und Weiterentwicklung von "Künstlicher Intelligenz" lässt sich nicht aufhalten – in vielen Bereichen ist KI bereits unter uns.
  • Die oftmals beängstigenden Promotion-Videos der Fa. Boston Dynamics zeigen nur die Oberfläche dieser fortschreitenden KI. Warehouse Robots und Roboterhilfen für Demenzkranke sind schon lange im Einsatz.
  • Googles Deepmind lässt KI Musik komponieren und Drehbücher - wenn auch katastrophalen Inhalts - werden bereits experimentell von KI geschrieben.
  • Amazons Alexa und Echo.dot verkauften vergangenes Jahr 25 Millionen Exemplare.
  • Neu entwickelte Sensoren mit KI-Steuerung könnten bald ganze Physiotherapeutengruppen ersetzen (g.tec aus OÖ entwickelt mindBEAGLE für SchlaganfallspatientInnen).
  • Social Scoring wird ausgebaut, vor allem unter totalitären Regimen wie in der VR China. Dort werden in den kommenden Jahren mehr als 500 Millionen Überwachungskameras eingesetzt, welche der Gesichtserkennung fähig sind und selbst kleine Übertretungen bestehender Gesetze wie eine Straßenüberquerung bei ROT aufzeichnen, eindeutig zuordnen und öffentlich brandmarken können.

So ergeben sich immer wieder neue Fragen zu unserer "digitalen Zukunft". Sollen wir in Alarmismus verharren? Welche Berufe werden sich für uns und unsere Nachkommen entwickeln? Wer wird davon profitieren - vielleicht nur eine kleine Anzahl an immer Wohlhabenderen? Wird der Großteil der Bevölkerung zum Verlierer? Darf ein selbstfahrendes Fahrzeug einen Unfall verursachen, um noch größeren Schaden zu vermeiden? Ungelöste ethisch-moralische Fragen werden sich ergeben. Welchen medialen Beiträgen ist noch zu trauen, wenn Deep Fake-Movies und Bilder die Medienlandschaft verunsichern? Werden alle Berufskraftfahrer dieser Erde ihre Anstellung verlieren, wenn selbstfahrende LKWs und Drohnen kostengünstiger arbeiten?
Wie also wird unsere Zukunft aussehen?
Mag. Gerfried Stocker meint: "Wir müssen dieses neue Ökosystem verstehen lernen, um neue Jobs zu erfinden und diese dann auch ausüben zu können. Die Schule 4.0 muss eine aktive Rolle für Innovation spielen."

Gerfried Stocker

Gerfried Stocker

Die 2. Keynote kam von Dipl.Informatiker Christoph Holz zum Thema "Mythos Digitalisierung". In seinem frei gehaltenen Vortrag, unterstützt von Videoclips und PPT-Folien, zeigte er zuerst einmal auf, wie viele Tiroler Unternehmen bereits auf den "Digitalen Zug" aufgesprungen sind und so am Weltmarkt bedeutende Positionen erreicht haben. Wem ist nicht die in Innsbruck ansässige Fa. MED-EL mit ihren Cochlea-Implantaten ein Begriff? Die Fa. Vizrt EMEA aus Schwaz mit vielen internationalen Niederlassung steuert weltweit Werbetafeln und entwickelt multimediale Lösungen für Großkunden. EGLO-Leuchten entwickeln SmartProducts im Lichtdesign. Der Goldschmied Peter Pfötscher in Innsbruck entwirft seine Modelle und druckt Schablonen mit seinem 3-Drucker aus, damit kann er weitaus individueller auf Kundenwünsche eingehen als die Schmuckindustrie. Und somit hat er sich einen neuen Kundenstock geschaffen. Barracuda Networks in Innsbruck ist international führend bei der Entwicklung von Firewalls und Internet Security. Laut Christoph Holz wird die Digitalisierung auch nicht vor Bank- und Geldwesen halt machen. Die Blockchain-Technologie kann zu einer "Demokratisierung" führen und z.B. die unseligen Transaktionsgebühren bei Geldüberweisungen bzw. Bezahlvorgängen überflüssig machen.

Christoph Holz gab dann, beginnend bei der Dampfmaschine, einen Überblick über die Innovationszyklen der technologischen Entwicklung und die immer kürzer werdende Phasen dazwischen. Die exponentielle Entwicklung von Wissen ist ja auch kein Geheimnis mehr. Viele Jobs werden verschwinden, vor allem aus industriellen Bereichen. Dafür entstehen neue Berufsmöglichkeiten in der Kunst, im Management, in der IT, in den Wissenschaften, in Design und Konstruktion, im Gesundheitssektor usw. Unternehmen werden kleiner werden - diese Entwicklung ist bereits sichtbar. Die Anzahl an EPUs wächst ebenso wie das Misstrauen in Großfirmen (z.B. Facebook, Google). Neue Startups sind nicht ausgelegt auf das Anwachsen eines Mitarbeiterstabes. Die tägliche Nutzung digitaler Medien verändert die menschliche Denkweise. Für viele Menschen stellt ihre Privatsphäre jetzt schon keinen Wert mehr dar und Algorithmen werden zu einer Weltanschauung.

Christoph Holz

Christoph Holz

Anschließend an die zweite Keynote erfolgte mit dem Online-Tool live.voxvote.com unter der Zuhörerschaft beispielhaft eine Realtime-Umfrage zur "Digitalen Bildung für alle".

Nach dem Mittagessen informierten jeweils 6 ReferentInnen in 3 Runden bis 16:00 Uhr zu diversen Tools, praktikablen Beispielen und Ideen im Rahmen der geforderten digitalen Grundbildung für alle. Besucht werden konnten insgesamt also 18 Beiträge zu je 30 Minuten Dauer. (z.B. eBooklessons in English, Blogging is good for you, Geogebra, Moodle mit Mehrwert, Erste Schritte zum Programmieren, Making -3D-Druck, digitale Medien im Deutschunterricht, usw.). Programmübersicht

Am Ende des eFuture-Tages wurden die Gewinner des alljährlichen QR-Code-Quiz gezogen. Verlost wurden diesmal ein iPad, ein WeDo-Lego-Bausatz und ein Monitor der Fa. Dell, zur Verfügung gestellt von den Firmen IT-Team, AustroTec und ACP.

Autor: Dieter Draxl

Weblink:

Bildquelle: 
eFuture-Day

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